Die Kirchengemeinde St. Nikolaus und St. Joseph trauert um ihren einstigen Kaplan, Pfarrer Josef Rottländer, der am 15. Dezember im Alter von 84 Jahren in Marialinden verstorben ist, wo er die letzten zwei Jahre in einem Altenheim gelebt hat.
Geboren in Herrenhöhe, zwischen Heiligenhaus und Hohkeppel, studierte Rottländer nach dem Abitur Theologie und Sport. Nach seiner Priesterweihe 1967 wirkte er zunächst als Kaplan an St. Johannes Enthauptung in Lohmar und von 1972 bis 1978 unter Pfarrer Rump als Kaplan in Bensberg. Es folgten Seelsorgeeinsätze in Gummersbach, Lindlar und parallel dazu ab 1990 als Definitor im Dekanat Wipperfürth. 1994 ernannte ihn Kardinal Meisner zum Pfarrer an St. Laurentius in Lindlar-Hohkeppel, seiner Heimatpfarrei. Im Jahr 2000 erfolgte seine Ernennung zum Seelsorger in Weyerbusch, Altenkirchen, Hamm und Hennef, wo er unterschiedliche Aufgaben übernahm. Am 1. September 2010 ging Josef Rottländer in den Ruhestand. Es entsprach seinem ausdrücklichen Wunsch, als Subsidiar in seine Heimat, das Bergische Land, zurückzukehren und an St. Nikolaus in Bensberg und St. Joseph in Moitzfeld die Seelsorge unter Leitung von Pfarrer Heinz-Peter Janßen zu unterstützen.
Nachhaltig spirituell geprägt war Josef Rottländer von der Aufbruchstimmung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Seine Überzeugung, neue Wege in der Kirche zu gehen, bezog er aus den damals in Rom angedachten Reformen. So blieb zeitlebens die persönliche Freiheit des Menschen für sein theologisches Denken ein zentrales Thema. Anlässlich seines Goldenen Priesterjubiläums, das er mit Protestanten, Juden und muslimischen Geistlichen am Altar feierte – was ihm eine Rüge des Kölner Erzbischofs einbrachte – betonte er einmal: „Der Mensch muss frei sein, auch nicht zu glauben. Gott mag auch die, die nicht glauben.“ Außerdem setzte er sich für die Zulassung von Frauen für Weiheämter ein, wandte sich gegen den Pflichtzölibat und forderte mutigere Schritte in der Ökumene. Er galt gemeinhin als unkonventioneller Geistlicher und ging auch streitbaren Themen nicht aus dem Weg.
Den Bensbergern und Moitzfeldern ist Josef Rottländer vor allem als Ansprechpartner für die vielen Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Erinnerung, die ihn immer respekt-, aber auch liebevoll „Chef“ nannten. Die DPSG am Ort war damals über 500 Mitglieder stark und damit der stärkste Stamm in Deutschland. „Für Josef war es selbstverständlich, seinen VW-Käfer allen, die ihn brauchten, auszuleihen“, erinnert sich etwa der damalige Leiter der DPSG, Alfons Daubenbüchel. „Sein Haus stand uns rund um die Uhr immer offen.“ Unvergessen ist auch, dass er mit allen Jugendgruppen aus der Gemeinde – Pfadfinder, Messdiener und KJG – einmal vier Wochen lang durch Israel reiste. Zudem sei er begeisterter Sportler, ein hervorragender Fußballer, Bergsteiger und Fallschirmspringer gewesen, habe Autos und Motorräder geliebt, so Daubenbüchel. Im Otto-Hahn-Gymnasium habe er zeitweilig Religion unterrichtet. „Er war durch und durch Seelsorger und Menschenfreund, aber auch im Persönlichen ein absolut verlässlicher Freund. Die Erlebnisse bei den Zelt- und Sommerlagern haben sich ins kollektive Gedächtnis aller Pfadis eingebrannt.“ Geschätzt worden sei er vor allem für seine Authentizität, hebt er besonders hervor. Selbst als Rottländer später woanders als Seelsorger tätig geworden sei, habe er noch unzählige Bensberger getraut oder deren Kinder getauft. Bis zuletzt – auch noch im Altenheim – hätte er mit seinen ehemaligen Pfadfinderleitern leidenschaftlich gerne Doppelkopf gespielt.
Auch Wolfgang Saupp, ehemals Stammesvorsitzender der Pfadfinder, würdigt den Verstorbenen. „Als Priester, Seelsorger und vor allem als Mensch hat er die Pfarrjugend geprägt und war der Meinung, dass Gott alle Menschen liebt und im Blick hat, auch wenn sie nicht glauben.“ Mit den vielen gemeinsamen Erlebnissen, den tiefgehenden Gesprächen, seiner Hilfe für alle Menschen mit Glaubensfragen bleibe er präsent. Er sei ein Mensch mit Rückgrat gewesen und habe fortschrittliche theologische Vorstellungen vertreten. „Er selbst lebte Ökumene und unterstützte jede Form des Ehrenamtes und der Mitarbeit in der Gemeinde. Josef Rottländer war einer von den wirklich Guten.“
Unter den vielen Beileidsbekundungen, die zurzeit im Chat der ehemaligen Pfadfinder ausgetauscht werden, gibt es sogar eine aus der fernen Zentralafrikanischen Republik. „Mit großer Trauer habe ich die Todesnachricht meines Mitbruders aufgenommen“, schreibt Cédric Kongbo Gbassinga, der während seiner Promotionszeit als Subsidiar in der Bensberg-Moitzfelder Pfarreingemeinschaft tätig war. Wörtlich erklärt der Geistliche: „Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, sein Name sei gepriesen in Ewigkeit. Möge der Herr seinen Diener in sein Himmelreich aufnehmen und sein Gesicht über ihm leuchten lassen. Mein herzliches Beileid gilt der Familie. Im Gebet verbunden.“
Die Beerdigung von Pfarrer Josef Rottländer mit anschließender Beisetzung findet am 30. Dezember um 13 Uhr in der Pfarrkirche St. Laurentius in Lindlar-Hohkeppel statt. Am Vorabend wird um 18 Uhr in der Hohkeppeler Kirche für den Verstorbenen gebetet.
Text – Beatrice Tomasetti
Foto – Markus Bollen


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