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Sternsinger bei Aussendungsfeier mit Kardinal Woelki

Helene schreibt das Wort „Freude“ auf eines der großen weißen Plakate, die überall im Dom ausliegen. „Weil es so ein schönes Gefühl ist, wenn man froh ist“, begründet die Neunjährige. Ihr Bruder Antonius hat mit einem Radiergummi, den jedes Kind an diesem Morgen im Kölner Dom zur Erinnerung an die diesjährige Aussendungsfeier mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki erhält, das große „K“ von „Krieg“ ausradiert. Auch Greta, Arvid und viele andere Kinder drängen sich um den Elfjährigen, der an diesem Vormittag mit einer 30-köpfigen Gruppe aus Bensberg in den Dom gekommen ist. Sie dürfen aufschreiben, was dazu beitragen kann, diese Welt ein kleines Stück besser zu machen. Und sie sollen alle negativen Begriffe, die weltweit den Menschen den versöhnenden Weg zueinander verstellen und die ebenfalls auf dem Blatt zu lesen sind, auslöschen.

Diese pädagogische Aufgabe ist zweifelsohne nur ein symbolischer Akt, aber er vermittelt den Kindern anschaulich, dass – so oder so – eigenes Handeln gefragt ist. Und er verdeutlicht, was Menschen voneinander trennt und was sie näher zueinander bringt. Denn „Frieden! Im Libanon und weltweit“ lautet das Motto der Sternsingeraktion 2020. Und die Kinder, die in den nächsten Tagen als die drei Weisen aus dem Morgenland verkleidet in den Straßen ihrer Pfarreien und Seelsorgebereiche unterwegs sind, hier von Tür zu Tür gehen, um den Menschen den Segen des neu geborenen Kindes zu bringen, sollen spüren, dass diese große Solidaritätsaktion mit Kindern weltweit – und diesmal eben mit den Kindern im Nahen Osten – nicht allein von den Spenden lebt, die sie mit ihrem Gesang sammeln, sondern auch eine große Friedensmission ist und als solche bereits im Kleinen – nämlich in ihrem persönlichen Alltag – beginnt.

Das jedenfalls ist Kardinal Woelki wichtig, der die vielen gekrönten Häupter zunächst herzlich am Schrein der Heiligen Drei Könige willkommen heißt. „Ihr steht in ihrer Nachfolge“, richtet er seinen Gruß an die vielen in bunte Samtumhänge gekleideten Sternsinger, die aus dem gesamten Erzbistums eigens zu dieser Feier nach Köln angereist sind. Denn wie die Heiligen Drei Könige damals zum neugeborenen König der Welt gezogen seien, um ihn anzubeten und allen davon zu erzählen, dass Gott seinen Sohn in die Welt gesandt habe, so würden nun die Sternsinger diese Aufgabe übernehmen. „Toll, dass es Euch gibt“, ruft Woelki den Kindern im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom zu und dankt ihnen für ihren wichtigen Dienst. In seiner Katechese vertieft er dann den Gedanken der Friedensbotschaft, die von dem Kind in der Krippe ausgehe, und berichtet davon, dass in seiner Krippe zuhause das Jesuskind mit weit ausgestreckten Armen auf Heu und auf Stroh liege und – so nackt und bloß – scheinbar nichts mitbringe und dennoch ein ganz besonderes Kind sei: eines, das von Gott komme und von dem allein schon deshalb eine große Kraft ausgehe.

Dann macht der Erzbischof klar, was genau er meint. Aus der Kirchenbank holt er sich zwei kleine Assistenten und verdeutlicht mit ihrer Hilfe, was sich mit leeren Händen alles machen lässt. Sie können zur Faust werden, zuschlagen und für Streit sorgen, erklärt Jari, woraufhin der Kardinal in einem spielerischen Gerangel mit ihm andeutet, wie das zwischen zwei streitenden Parteien aussehen kann. Dazu erläutert er, dass aus geballten Fäusten, die als Waffen eingesetzt würden, schließlich Armeen und Panzer werden könnten und daraus wiederum kriegerische Auseinandersetzungen ganzer Völker. Dann fragt er, was denn geschehe, wenn man stattdessen die Hände zusammenlege oder sie offen halte wie das Kind in der Krippe. „Man kann mit ihnen beten oder jemanden umarmen“, antwortet ihm Raphael. Und wie zum Beweis nimmt Woelki einen Moment lang das Kind fest in seine Arme. „Wir sind Freunde, wir versöhnen uns wieder. Wir fangen neu an.“ Nichts anderes bedeuteten die offenen Hände Jesu, mit denen er die ganze Welt umarmen und diese an sich ziehen wolle. Die Botschaft des Gottessohnes in der Krippe laute: Ich bringe überall auf der Welt den Frieden. Ich möchte, dass alle in Frieden und Gerechtigkeit leben. „Das ist auch die Botschaft, die an diesem Morgen vom Dom und von den Sternsingern ausgehen soll“, betont Woelki.

Außerdem spricht der Kardinal zu seinen jungen Zuhörern über den Libanon, den die Aktion Dreikönigssingen für 2020 als Beispielland ausgewählt hat. Er schwärmt von einem „wunderschönen Land“, in dem sich, wie er sagt, die politische Lage zunehmend destabilisiere, wo derzeit allein 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien – darunter viele Kinder – lebten und wo das Erzbistum mit der St. Rita-Schule in Zahlé gezielt ein Patenschaftsprojekt fördere. Wie überhaupt das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ weltweit vor allem Bildungsprojekte für Kinder unterstütze. „Ich verändere die Welt“ – das sei das Selbstverständnis jedes einzelnen Sternsingers, unterstreicht Woelki.

Dann tragen Kinder aus dem Seelsorgebereich Wuppertal Barmen-Wupperbogen Ost die Fürbitten vor, die vor allem die Gleichaltrigen im Libanon und ihre aktuelle Lebenssituation in den Blick nehmen. Und um diesem Anliegen, für sie verbesserte Lebensverhältnisse zu erbitten, besonderes Gewicht zu geben, formuliert Sophie, gebürtig aus dem Libanon, jede Bitte nochmals eigens auf Arabisch. Bevor der Erzbischof dann alle Kinder für ihre Aufgabe rund um den 6. Januar – an diesem Tag begeht die Kirche das Fest der Heiligen Drei Könige – mit seinem Segen entlässt, nimmt auch er einen Radiergummi in die Hand, geht auf einen der großen weißen Papierbögen zu und erklärt dazu: „Als Zeichen dafür, dass wir alle als Friedensbringer und -stifter unterwegs sein wollen und den Frieden des Jesuskindes hinaus in die Welt tragen.“

Text und Foto – Beatrice Tomasetti

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