Sein 100-jähriges Bestehen feierte der Kirchenchor St. Joseph am Sonntag mit einer festlichen Messe. Unter der Leitung von Seelsorgebereichsmusiker Martin Meyer führten die Sängerinnen und Sänger in der vollbesetzten Moitzfelder Pfarrkirche die „Messe brève in g-Moll“ von Léo Delibes auf. Dabei wurden sie von rund einem Dutzend Mitgliedern des Kirchenchores an St. Nikolaus sangeskräftig unterstützt. Mitglieder der „Cappella Montana“ setzten stimmungsvolle instrumentale Akzente.
Die Eucharistiefeier wurde von Domkapitular Monsignore Markus Bosbach, Präses des Diözesan-Cäcilienverbandes Köln und Präsident des Allgemeinen Cäcilienverbandes (ACV) in Deutschland, zelebriert. In seiner Predigt hob er die besondere Bedeutung der Kirchenmusik hervor, die „beflügelt und erhebt“ und uns erleben lässt, „dass unter der Oberfläche des Alltäglichen mehr existiert als wir fassen, greifen und berechnen können; dass es tiefere Dimensionen gibt, die auf den letzten Grund unseres Lebens verweisen ─ auf Gott selbst.“
Ein Kirchenchor sei ein wichtiger liturgischer Akteur und zudem ein Ort gelebter Gemeinschaft, betonte der Geistliche. Er dankte den Sängerinnen und Sängern für ihr Engagement und kündigte an, dass der Chor für sein langjähriges Bestehen mit der Palestrina-Medaille geehrt werde. Diese Auszeichnung kann der ACV Kirchenchören verleihen, wenn sie eine kirchenmusikalische Tradition von mindestens 100 Jahren nachweisen. Zur Übergabe der Medaille kam es an diesem Nachmittag jedoch leider nicht, weil sie noch auf dem Postweg ist.
Eine solche Ehrung sei ein Anlass, mit Dankbarkeit auf das Erreichte zurückzublicken, sagte Monsignore Bosbach. Gleichzeitig ermutige sie dazu, nach vorn zu blicken und sich den künftigen Herausforderungen zu stellen. Mit Blick auf die kommenden Veränderungen – die Zusammenlegung der Pfarreiengemeinschaft Bensberg und Moitzfeld zu einer Pfarrei und die dadurch anstehende Fusion beider Kirchenchöre – lud er die Sängerinnen und Sänger dazu ein, dem Chorgesang treu zu bleiben. Veränderungen und Umbrüche müssten nicht zwangsläufig zu Krisen führen, sie könnten auch kreative Energien freisetzen. „Mit so schönen Projekten wie der heutigen Messe zeigen Sie, dass und wie es gut weitergehen kann“, lobte er.
Tradition leben und Neues wagen – unter dieses Motto hatte auch Chorleiter Martin Meyer die Festmesse zum Chorjubiläum gestellt. Die Delibes-Messe hatte er bewusst gewählt, weil sie „die Leichtigkeit der französischen Programmmusik mit der Tiefe liturgischer Klangsprache“ verbinde. „Damit passt sie für mich zu einem Jubiläum, das sowohl Rückblick als auch Aufbruch bedeutet“, so der Kirchenmusiker. Mit seiner Auswahl hatte er offenbar buchstäblich den richtigen Ton getroffen, wie der Applaus des Publikums bewies. Und auch die Sängerinnen und Sänger aus Moitzfeld und Bensberg feierten anschließend im Pfarrsaal die Aufführung – als ein gelungenes gemeinsames Chorprojekt.
Text – Martina Martschin
Fotos – Beatrice Tomasetti

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