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Kaffee, Kerzenschein und kulturelle Vielfalt

Flüchtlingsfamilien feierten mit christlichen Nachbarn gemeinsam Nikolaus

Ein Stück praktizierte Willkommenskultur gab es am Nikolausabend im Pfarrsaal in St. Joseph. Die ökumenische Initiative „Wir für neue Nachbarn“ hatte zusammen mit der Dorfgemeinschaft Moitzfeld zu einer Nikolausfeier eingeladen. Mehr als 80 Flüchtlinge waren mit ihren ehrenamtlichen Betreuern der Einladung gefolgt. Auch Gäste aus den Gemeinden sowie – als Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche am Ort – Pfarrer Andreas Süß und Diakon Rainer Beerhenke nahmen an der Veranstaltung teil.

„Wie schön, dass so viele gekommen sind!“ Mechtild Münzer, die Ansprechpartnerin für die Koordination von Integrationsangeboten im Kreisdekanat ist, freut sich über den Ansturm. In solchen Veranstaltungen sieht sie eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Flüchtlingsfamilien das Ankommen zu erleichtern. Die meisten Anwesenden sind ihr persönlich bekannt und werden von ihr herzlich begrüßt. Etliche Bensberger und Moitzfelder sind zu der Feier erschienen – darunter auch eine der Familien, die seit kurzem zwei Flüchtlingsfamilien bei sich aufgenommen haben. Einige der pensionierten Lehrerinnen, die seit Monaten regelmäßig Deutschkurse im Pfarrsaal und in der OGS anbieten, sind ebenfalls dabei.
„Gemeinsam Nikolaus zu feiern, ist ein Anlass, an das anzuknüpfen, was wir im Sommer begonnen haben“, sagt Peter Freyaldenhoven, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, die die Feier ausgerichtet hat. Damals hatte man ein Spiel- und Grillfest in Moitzfeld organisiert, um die Flüchtlinge in den Gemeinden zu begrüßen und erste Kontakte zu knüpfen. (vgl. dazu auch den Bericht in der letzten Ausgabe des Pfarrbriefs Konturen).
An den adventlich geschmückten Tischen herrscht lebhafte Unterhaltung. Bei Kerzenschein werden Weihnachtsplätzchen wie auch arabische und türkische Leckereien angeboten, selbstgebackene Kuchen machen die Runde. Als Pfarrer Andreas Süß den Anwesenden die Geschichte vom Hl. Nikolaus erzählt, wird es still im Saal. Der Bischof habe von seinem Reichtum abgegeben, um eine Hungersnot abzuwenden und Kinder davor zu bewahren, in Sklaverei und Prostitution verkauft zu werden, – das könne uns heute noch als Beispiel dienen. Doch nicht allein materielle Gaben würden in schwierigen Lebenssituationen helfen, sondern auch Worte und Gesten der Anteilnahme und des Trostes. „Lasst euch vom Nikolaus beschenken und seid einander Geschenk!“, fordert er die großen und kleinen Gäste auf. Anschließend übersetzt die 16jährige Marjan aus Afghanistan die Nikolauslegende in Dari, eine dem Arabischen verwandten Sprache, die außer in Afghanistan auch im Iran gesprochen wird.

Ein „richtiger“ Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab durfte auf der Feier natürlich nicht fehlen, und der erschien dann auch zu guter Letzt, um die Kinder zu bescheren. Knisternde Spannung machte sich breit und die Kleinen bekamen leuchtende Augen, als der „Heilige Mann“, assistiert von Mechtild Münzer, sie namentlich aufrief und jedem von ihnen ein Geschenk und eine Tüte mit Süßigkeiten überreichte. Zum Abschluss wurde noch ein Nikolauslied angestimmt, das die Kinder – von denen die meisten innerhalb kurzer Zeit schon gut Deutsch gelernt haben – eifrig mitsangen.

Text – Martina Martschin
Fotos – Beatrice Tomasetti