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45 Jahre ehrenamtlich im Dienst der Gemeinde-Caritas

Für Anni Müller war es eine Lebensaufgabe: viereinhalb Jahrzehnte hat sie das karitative Engagement von St. Nikolaus geprägt, war hier Kopf und Ideengeberin. Nun – mit ihrem 80. Geburtstag am 18. April – so hat sie erklärt, will sie sich aus diesem langjährigen Ehrenamt allmählich zurückziehen. Am kommenden Sonntag soll sie am Ende der Abendmesse für diesen unermüdlichen und in einer Kirchengemeinde so unverzichtbaren Einsatz geehrt werden.

Seit 1976 ist Anni Müller in der Pfarrcaritas aktiv. „Das sind rund 45 Jahre, 2340 Wochen und sicherlich mehr als 30.000 Stunden im Dienst am Nächsten“, rechnet Margret Blazek, heute Leiterin des Caritas-Ausschusses der Pfarreiengemeinschaft, in einem persönlichen Schreiben an Anni Müller aus. „Wie oft ist sie auf Menschen zugegangen, die etwas brauchten oder sich in auswegsloser Lage befanden und denen sie mit Rat und Tat vermittelt hat: Ich bin für Dich da.“

In den Anfängen ihrer Tätigkeit für Menschen in Notsituationen – Mitte der 70er Jahren – sei die Initiative dazu noch meist vom Pfarrer am Ort ausgegangen, eventuell auch von seinem Diakon oder seiner Gemeindeschwester – und immer sehr konkret auf Vermittlung der Pfarrsekretärin, die „das Ohr am Volk“ hatte, beschreibt Blazek rückblickend die ersten Schritte der lokalen Caritasarbeit, in der Anni Müller schnell eine tragende Rolle übernimmt. Denn damals habe sie als neues Gemeindemitglied schnell in enger Abstimmung mit Pfarrer Hans Rump begonnen, Bedürftige und ihre Familien aufzusuchen, bei Hausaufgaben zu helfen und vieles mehr an Unterstützungsangeboten zu entwickeln – gerade auch für die Spätaussiedlerfamilien, die nach Bensberg kamen.

„In den 80er Jahren galt ihre Hilfe dann zunehmend häufiger Menschen mit Migrationshintergrund, vor allem den Geflüchteten aus Bosnien, die zeitweilig in Containern am Schloss untergebracht waren. In dieser Zeit hat Anni Müller Kinder im Grundschulalter oft bei sich zuhause mit einer Hausaufgabenhilfe betreut, ihnen aber vor allem Mut gemacht und ihnen so die Integration in einer für sie fremden Umgebung erleichtert“, würdigt Blazek die scheidende Mitarbeiterin. Da hatte sich das Caritasteam längst schon ökumenisch orientiert; es geht eine enge Zusammenarbeit mit der evangelischen Nachbargemeinde ein und verzeichnet einen regen Mitgliederzulauf. „Anni Müller bildete immer wieder die Brücke zu den Neuzugängen: Der Arbeitskreis traf sich regelmäßig zu Absprachen und Gedankenaustausch, organisierte die halbjährlichen Haussammlungen und stand vor allem im intensiven Kontakt mit den Hilfsbedürftigen in dem inzwischen durch den Hochhauskomplex am Bockenberg vergrößerten Bensberger Gemeindegebiet“, erinnert sich Margret Blazek.

Viele Jahre habe Anni Müller auch den alljährlichen „Sammlerdank“ mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen im Dechant-Berger-Haus organisiert. Denn für ihren Einsatz gewürdigt werden sollten auch die, die im Namen der Caritas zweimal im Jahr von Tür zu Tür gingen, um auf diese Weise Spendengelder zu sammeln. Leider musste diese Aktion in den letzten Jahren mangels ehrenamtlichen Personals eingestellt werden, was mittlerweile durch eine Spendenkollekte am Caritas-Sonntag im September oder regelmäßige Spendenappelle während des Jahres wettgemacht wird.

Unter der Leitung von Peter Hanrath in den 90er Jahren geraten dann zunehmend auch Menschen in finanzieller Schieflage in den Blick, die oft bei der Alltagsbewältigung einen großen Beratungs- und Hilfsbedarf haben. Immer häufiger werden Einzelfälle an den Kreis gemeldet: zum Beispiel wenn jemand seine Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann, die Schulmaterialien in einer kinderreichen Familie fehlen oder jemand mit Grundsicherung eine neue Waschmaschine benötigt. Aber auch die Begleitung bei Behördengängen kann schon mal dazugehören, wenn es darum geht, Akuthilfe zu leisten. „Doch das wichtigste Anliegen war bei all dem für Anni Müller immer das Wohl der betroffenen Kinder“, so Blazek, „und das unabhängig von ihrer sozialen, religiösen oder ethnischen Herkunft.“

Die „Montagssprechstunde“, eine wichtige Kontaktmöglichkeit für Menschen, die es alleine nicht schaffen, über die Runden zu kommen, verdankt sich ebenfalls einer Initiative, an der Anni Müller maßgeblich beteiligt war. Und auch zukünftig will die langjährige Mitarbeiterin der Pfarrcaritas weiterhin mit einem wachen Blick, offenen Ohr und großen Herzen in der Gemeinde ansprechbar bleiben, wenn irgendwo gerade Not am Mann ist. Dazu gehört auch, dass sie nach besten Kräften noch das Team der „Bensberger Tafel“ unterstützen will, wo sie nach wie vor jeden Donnerstag mit anpackt, wenn es darum geht, Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, die für sich selbst oder ihre Familien aus eigener Kraft nicht sorgen können.

Text – Beatrice Tomasetti

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